Internationale Geschichte des Blindenfußballs:
Der Blindenfußball hat seinen Ursprung in Brasilien. Bereits seit den 1960er Jahren wird im Land des fünfmaligen FIFA-Fußballweltmeisters Blindenfußball gespielt. Im Jahr 1987 fand in Spanien die erste nationale Meisterschaft statt. Zehn Jahre später wurde die erste Europameisterschaft ausgetragen und findet seither alle zwei Jahre statt. Der aktuelle Europameister kommt aus Frankreich. Die erste Weltmeisterschaft wurde 1998 ausgespielt. Diese Titelkämpfe werden seit diesem Zeitpunkt im vier-Jahres-Rhythmus veranstaltet. Argentinien ist der aktuelle Blindenfußballweltmeister. Bei den Paralympics 2004 in Athen war der Blindenfußball noch Demonstrationssportart, aber schon bei den Spielen 2008 in Peking gewann Brasilien die erste Goldmedaille.
Nationale Geschichte des Blindenfußballs:
Der Grundstein für die Entwicklung des Blindenfußballs in Deutschland wurde im Mai 2006 mit dem IBCC in Berlin gelegt. Frankreich, Spanien, England und Brasilien spielten ein erstes Turnier auf deutschem Boden. Diesem Turnier ging ein Workshop der englischen Blindenfußball-Nationalmannschaft voraus, welche interessierten blinden und sehbehinderten Deutschen die Techniken des Blindenfußballs zeigte. Die Teilnehmer des Workshops kehrten mit viel Begeisterung und neuen Erfahrungen in ihre Heimatstätte zurück und begannen, die ersten Blindenfußballmannschaften aufzubauen. Bereits im März 2007 kam es zu einem ersten Blindenfußball-Hallenturnier in Tübingen, welches der ISC Viktoria Dortmund gewann. An diesem Turnier nahmen schon sechs deutsche Mannschaften teil. Nur wenig später gewann der MTV Stuttgart das erste Blindenfußballspiel unter regulären Bedingungen und unter freiem Himmel auf eigenem Platz im April 2007 gegen die SSG Blista Marburg mit 3:0. Erstmals wurde am Pfingstwochenende 2007 beim Lichtkick-Turnier in Neumünster unter freiem Himmel ein Turnier ausgespielt, an dem alle bis zu diesem Zeitpunkt bestehenden neun deutschen Blindenfußballmannschaften teilnahmen. Die SSG Blista Marburg sicherte sich den Turniersieg und galt so als erster inoffizieller deutscher Blindenfußball-Meister. Der Sommer 2007 stand im Zeichen der deutschen Nationalmannschaft. Der deutsche Behindertensportverband beauftragte Ulrich Pfisterer und Peter Schreiner als verantwortliche Trainer mit der Bildung einer deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft. Diese bestritt im August 2007 ihr erstes Länderspiel gegen Spanien in Berlin und unterlag im Rahmen ihrer Vorbereitung auf die Europameisterschaft in Griechenland. Bei dieser EM in Athen im September belegten die Deutschen den siebten und letzten Platz. Einzig Alexander Fangmann vom MTV Stuttgart gelang ein Treffer beim 1:3 gegen die Türkei. Peter Schreiner legte nach den Wettkämpfen seinen Posten als Cheftrainer nieder und Ulrich Pfisterer ist seither allein für die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft verantwortlich. Ende des Jahres 2007 fand in Marburg wieder ein Blindenfußball-Hallenturnier mit sechs Mannschaften statt und dieses Mal konnte sich der MTV Stuttgart den Titel sichern. Im Vorfeld dieses Turniers begannen verschiedene Aktive mit der Planung einer Blindenfußball-Bundesliga. Thorsten Peitzmeier, Hasan Caglikalp, Kristian Mann, Manuel Beck, Alexander Fangmann und Reiner Delgado entwarfen auf Anregung des deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes die ersten Grundlagen für eine nationale Meisterschaft. Im laufe dieses Prozesses schlossen sich der deutsche Behindertensportverband und die Sepp-Herberger-Stiftung des deutschen Fußballbundes diesem Projekt an. Es gelang den drei Trägern DBS, DBSV und SHS in Rekordzeit, die erste Saison der Blindenfußball-Bundesliga zu organisieren. Thorsten Peitzmeier, Kristian Mann und Reiner Delgado übernahmen als Interessenvertreter der Mannschaften die Rolle des Ligaausschusses. Acht Mannschaften zählte die deutsche Blindenfußball-Bundesliga in ihrer ersten Saison, welche mit einer kick-off-Veranstaltung in Berlin der breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht wurde. Uwe Seeler höchstpersönlich ließ es sich nicht nehmen, die Schirmherrschaft für diese Blindenfußball-Bundesliga zu übernehmen. An drei Spieltagen zwischen März und Mai 2008 wurde in Berlin, Stuttgart und Dortmund in einer Runde jeder gegen Jeden der erste deutsche Blindenfußball-Meister ausgespielt. Die SSG Blista Marburg konnte sich mit 15 Punkten aus sieben Spielen den Titel vor den Mannschaften des MTV Stuttgart und des ISC Viktoria Dortmund sichern und sich als erster deutscher Blindenfußball-Meister in die Geschichtsbücher eintragen. Nach der Saison ersetzten Alexander Fangmann und Manuel Beck die aus dem Liga-Ausschuss ausscheidenden Thorsten Peitzmeier und Reiner Delgado. Auch im Mai 2008 trafen sich in Neumünster verschiedene Mannschaften zur zweiten Auflage des Lichtkickturniers und die SSG Blista Marburg konnte dabei erfolgreich ihren Titel verteidigen. Das letzte Blindenfußball-Turnier des Jahres waren die „keep your mind wide open“ im Oktober 2008 auf St. Pauli. Der MTV Stuttgart konnte sich im Finale gegen Marburg seinen zweiten Hallentitel sichern. Im März 2009 startete die zweite Saison der DBFL, die mittlerweile auf neun Mannschaften angewachsen war. Der Modus war dahingehend geändert worden, dass sich alle Teams jeweils an einem Standort trafen. Spieltage gab es in Barsinghausen bei Hannover, Mainz, Stuttgart und in Köln. Meister wurde der MTV Stuttgart mit 22 Punkten aus acht Partien vor dem PSV Köln und dem ISC Viktoria Dortmund. Vorjahres-Meister Marburg belegte Rang vier. Den dritten Lichtkick Ende Mai holte sich der ISC Viktoria Dortmund durch ein 2:0 gegen den VfB Gelsenkirchen. Nach der Saison hatte die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft ihren zweiten Auftritt auf internationalem Parkett. Dieser verlief wesentlich erfolgreicher als noch vor zwei Jahren. Mit zwei Siegen und zwei Niederlagen landete das DBS-Team auf Rang fünf von neun Mannschaften. Im Oktober konnte das Team – etwas ersatzgeschwächt – diese Leistung beim Turnier in Griechenland nicht ganz bestätigen. Zwei Remis und eine Niederlage reichten zu Rang drei hinter England und Griechenland. Zum zweiten Mal gab es für die Vereinsteams das „keep your mind wide open“ auf St. Pauli. Diesmal siegte der ISC Viktoria Dortmund mit 1:0 im Finale gegen Köln. Im Laufe des Herbstes fanden weitere Freundschaftsturniere und –spiele statt. Die deutschen Kickerinnen traten in zwei Spielgemeinschaften Mitte November beim ersten Frauen-Weltpokal gegen eine brasilianische Auswahl an. Sie ließen den Gästen den Vortritt im Schlussklassement.